

Garten bedeutet Umfriedung. Der Begriff Garten leitet sich von „Gher“ (indogermanisch) ab. „Gher“ sind Gerten: Weiden- und Haselnussruten, die – ineinander verflochten – den Garten umfrieden. So entsteht das Gartenparadies als Refugium gegenüber dem Umland. Es bietet Schutz und Geborgenheit. Naturmächte schenken dem Garten unendliches Wachstum. Leben spendendes Wasser und ein Schatten spendender Baum sind Voraussetzung für seine Entfaltung. Der Gärtner, die Gärtnerin sät, pflanzt, hegt und erntet im einfühlsamen Austausch zwischen Ich und Natur. Der umschlossene Garten, „hortus conclusus“, wird durch eine Gartenpforte betreten. In der Schöpfungsgeschichte pflanzte Gott den Garten als ein Geschenk für Mensch und Natur. Für Hildegard von Bingen ist der Garten ein Synonym für Schöpfung. Diese Eigenschaften machen den Garten zu einem Symbol für die Entfaltung der Seele. Sie „arbeitet“ in ihrem Seelen-Garten und wächst zwischen Bewusstsein (Geist) und Unterbewusstsein (Natur). In Freiheit kann sie ihr Gartentor für andere öffnen oder schließen. Das Schlüsselblümchen schloss in alten Legenden die Pforte zu geheimen Schätzen auf. Ein Phantasiegarten in uns macht glücklich. Die Synthese von Nutzgarten und Meditationsgarten ist ideal! Walahfrid Strabo (808-849) verfasste sein Lehrgedicht „Über den Gartenbau“ aus der Perspektive der Versorgung. „Hausapotheke - Bewährte Hausmittel aus dem Garten Gottes“ nannte Pfarrer Sebastian Kneipp 1886 sein Buch für das „Wohl der unsterblichen Seelchen“. Benedikt von Nursia betonte im 6. Jahrhundert mit seiner Regel „ora et labora“ Anstrengung und Betrachtung. Sein Klostergarten ist ein Ort des Gebetes, „Vita contemplativa“ und das Werk des arbeitenden Menschen, “Vita activa“. Heilung findet der gehbehinderte Junge Colin durch Betrachtung und Anstrengung im verborgenen Garten des Buches „The Secret Garden“ von Frances Hodgson Burnett: „I shall get well ! And I shall live forever …“ . Edith Nesbit lässt in ihrem Kinderbuch „Der verzauberte Garten“ Kinder die Blumensprache mit ihrem Zauber auf Menschen anwenden. Und heute in der Zeit des Klimawandels? Heute plädiert der englische Professor Dave Goulson in seinem Buch „Wildlife Gardening - Die Kunst im eigenen Garten die Welt zu retten“ für einen Hort der gepflegten Wildnis. Die Pforte zur beseelten Gartenwelt steht offen! „Wenn Du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es Dir an nichts fehlen.“ (Marcus Tullius Cicero) Bild: Udalrike Hamelmann, „Geheimer Garten“ Aquarell, 76 x 56, 2026

Die Christrose (Helleborus niger) bringt mit dem Wunder ihrer weißen Blüten und goldgelben Staubblätter Licht in die Dunkelheit des Winters. Mit unglaublicher Lebenskraft trotzen ihre Blütensterne Schnee und Eis. Sie schenkt Hoffnung auf Licht und Frieden in einer dunklen Welt.

Triptychon, 90 x 120, Öl auf Leinen mit Blattgold 23,75 Karat

„Rotkehlchenbrot“, so heißt das „Pfaffenhütchen“, auch „Spindelstrauch“ genannt: Das Rotkehlchen, Vogel des Jahres 2021, liebt die Früchte des für den Menschen giftigen Spindelstrauchs ganz besonders. Spindeln, Spinn-räder, Orgelpfeifen und Stricknadeln wurden aus Pfaffenhütchenholz geschnitzt. Doch mehr und mehr sind Hecken als ganzheitliches Biotop an Feld - und Wiesenrändern durch die intensive Landwirtschaft vernichtet. Deshalb ist mein Bild eine Hommage an die Hecke in ihrer Vielseitigkeit: Früchte von Weißdorn, Schlehe und Hagebutte, Rotkehlchenbrot und Rotem Hartriegel schenken den Vögeln vitaminreiche Nahrung für den Winter.
Bühnenbild, Puppentheaterfigur, Idee, Regie und Ausführung: Udalrike Hamelmann
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